Zusammenfassungen und Links zu meinen Publikationen
aus dem Bereich Ökologie, Faunistik und Naturschutz
Weirich O, Gärtner S & Heuser W 2025: Auswirkungen von Feuerwerken auf Wildvögel - Literaturüberblick und Fallstudien in Wiesbaden
Jahrbuch des Nassauischen Vereins für Naturkunde 146:179-196.
Zusammenfassung
Der wissenschaftliche Kenntnisstand zu den Auswirkungen von Feuerwerken auf Wildvögel wurde vom Erstautor zusammengefasst. Gemeinsam mit den Co-Autoren Sonja Gärtner und Witiko Heuser wurden vogelkundliche Untersuchungen zu Feuerwerken an naturschutzfachlich besonders wertvollen Standorten in Wiesbaden durchgeführt. Mit Hilfe von Wetterradar-Anlagen und besenderten Vögeln konnte in den letzten fünfzehn Jahren nachgewiesen werden, dass das Silvesterfeuerwerk Wildvögel in Massen zum Auffliegen in große Höhen zwingt. Besonders Schwarmvögel, große Vögel und Vögel offener Landschaften reagieren empfindlich. Die Scheuchwirkung von Feuerwerken auf Wildvögel beginnt erst bei einer Entfernung von 1.500 m langsam abzunehmen. Kameras in Nistkästen dokumentierten, dass in Höhlen verharrende Singvögel um den Schlaf gebracht werden und ihre energiesparende Kugelform aufgeben. Die Folgen für Wildvögel sind Energieverluste und problematische Gebietswechsel, die bei Kälte und Nahrungsmangel lebensbedrohlich sein können und Auswirkungen auf Populationsebene haben können. Forscher warnen vor Kollisionsrisiken für tagaktive Vögel bei der Flucht vor Feuerwerken in der Dunkelheit. Feuerwerke zur Brutzeit können den Fortpflanzungserfolg beeinträchtigen. Im Schiersteiner Teichgebiet gab es im Sommer 2024 eine sehr wahrscheinliche Brut der Reiherente und mindestens eine Brut der Zwergdommel. Beide Vogelarten sind in Hessen vom Aussterben bedroht, was den außergewöhnlichen Wert des Schiersteiner Teichgebiets im Vogelschutzgebiet Inselrhein belegt. Während die Jungvögel der Zwergdommeln das Feuerwerk am Schiersteiner Hafenfest überstanden, sprechen Beobachtungen über viele Wochen klar für eine Brutaufgabe der Reiherenten durch das Feuerwerk. An einem wahrscheinlichen zweiten Nistplatz der Zwergdommeln verhielten sich die Vögel nach dem Feuerwerk nicht mehr brutverdächtig. Der Floßhafen Mainz-Kostheim ist einer der wichtigsten Winterrastplätze der Krickente am Inselrhein. Durch den Neubau des Wohngebiets „Lindequartier“ werden zukünftig Feuerwerke bis an den Floßhafen heranrücken. Derzeit wird der Floßhafen von den scheuen Krickenten spätestens einen Tag nach dem Silvesterfeuerwerk schon wieder als Rastplatz genutzt. Zum Schutz von Wildvögeln sind feuerwerksfreie Zonen im Abstand von mindestens 2.000 Metern um Vogelschutzgebiete wünschenswert.
Weirich O 2025: Evaluation von Maßnahmen zum Management der Nilgans in Wiesbaden
DOI:10.13140/RG.2.2.35574.10560
Zusammenfassung
In Wiesbaden wurden Maßnahmen zum Management der Nilgans-Population ergriffen. Der Teich am Warmen Damm wurde im Frühling 2024 eingezäunt, um einen Mauserplatz zu verlegen. Um den Dietenmühlenweiher wurde die Vegetation aufwachsen lassen, um die Zahl der Aufzuchtreviere zu verringern. Fütterungsverbotsschilder mit QR-Codes zu einer Webseite wurden aufgestellt, um die Fütterung von Wasservögeln zu reduzieren.
Von Mitte Juli bis Ende September 2024 wurde in Eigeninitiative und ehrenamtlich ein Monitoring der Nilgänse in Wiesbadener Parks durchgeführt, um den Erfolg der Maßnahmen zu evaluieren.
Die Nilgänse haben bereits 2023 ihren Mauserplatz in den Kurpark verlegt, was dem Grünflächenamt Wiesbaden nicht bekannt war. Ein Nachweis der Wirksamkeit der Barriere am Warmen Damm 2024 war deshalb von vorneherein ausgeschlossen. Auch 2024 mauserten die Nilgänse im Kurpark. Die Barriere am Warmen Damm war aufgrund ihrer Lücken und ihrer fehlenden Robustheit ungeeignet. Sie wurde wiederholt sabotiert. Sie förderte aber sehr wahrscheinlich das Überleben von Teichhuhn-Küken.
Wahrscheinlich ist es gelungen, die Zahl der Aufzuchtreviere der Nilgänse am Dietenmühlenweiher durch eine höhere Vegetation von vier auf eins zu verringern.
Eine Webseite der Stadt informiert jetzt über das Fütterungsverbot. Zahlreiche Verbotsschilder wurden zerstört oder gestohlen. Das Fütterungsverbot sollte durchgesetzt werden, um die Nahrung für Nilgänse zu reduzieren.
Der zuvor festgestellte leichte Rückgang der Nilgans-Zahlen seit 2016 hat sich offensichtlich bis 2024 fortgesetzt. An der Reisinger- und Herbert-Anlage traten jedoch im August und September wie jedes Jahr sehr viele Nilgänse auf und verursachten erhebliche Verschmutzungen. Diese Nilgänse wandern wegen der hervorragenden Weide und der Sicherheit vor Beutegreifern und Beschuss teilweise von außerhalb des Untersuchungsgebiets zu. Deshalb könnten hier auch nach einer Auslagerung des Mauserplatzes aus der ganzen Stadt große Ansammlungen auftreten.
Der Mauserplatz sollte durch robuste Barrieren am Warmen Damm und im Kurpark ausgelagert werden. Ansonsten und ergänzend erscheint nur eine letale Vergrämung aussichtsreich.
Weirich O & Trost G 2025: Brutvögel der Roten Liste Hessen im Kalkofen - Monitoring 2024
In: Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V. Arbeitskreis Wiesbaden / Rheingau-Taunus-Kreis (Hrsg.) Jahresbericht 2024: 40-47.
Zusammenfassung
Zwischen dem 12.04. und dem 03.08. wurden bei dreizehn Begehungen siebzehn Vogelarten der Roten Liste Hessens erfasst. Brutnachweise für den Teich rohrsänger und den Zwergtaucher und Brutverdachte für den Kuckuck, den Pirol und das Teichhuhn wur den erbracht. Unter den ungefährdeten Arten waren Brutnachweise für den Neuntöter und das Blässhuhn und ein Brutverdacht für die Klappergrasmücke bemerkenswert. Die wichtigsten neuen Vorschläge für das Management des Kalkofens sind Bohrungen in der Uferschwalben-Wand und die Offenhaltung des Schilfbereichs am Tunnelweg durch Rodung der Bäume am Entwässerungskanal.
Weirich O 2023: Faunistische Untersuchung des Kalkofens 2022 - Vergleich mit älteren Daten und Empfehlungen zur Förderung der Fauna
In: Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V. Arbeitskreis Wiesbaden / Rheingau-Taunus-Kreis (Hrsg.) Jahresbericht 2022: 36-63.
Zusammenfassung
Zwischen dem 02.03 und dem 17.10.2022 wurden bei 44 Begehungen Vögel, Tagfalter, Widderchen und Libellen erfasst. Der im Vorjahr festgestellte Verlust an Brutvögeln seit 2011 wurde bestätigt. Er betrifft vor allem Offenland- und Offenboden-Arten, deren Lebensräume durch die Sukzession verloren gingen. Die Zahl der festgestellten besonders wertgebenden Brutvogelarten (Rote Liste Deutschlands oder Hessens oder streng geschützt) hat sich etwa halbiert. Mit Kuckuck, Wasserralle und Zwergtaucher sind darunter nur noch drei gefährdete Arten. Durch den enormen Verlust an Wasserfläche seit 2003 haben sich zudem die Bedingungen für Wasservögel stark verschlechtert. Da der große Teich bereits Ende Juni vollständig austrocknete, fiel er als Rastplatz für abziehende Wasservögel weg. Es wurden 74 Vogelarten festgestellt, darunter 36 besonders wertgebende Arten. Für neun dieser Arten wurden Brutnachweise und für neunzehn weitere Arten Brutverdachte erbracht. Elf dieser 28 Brutvogelarten sind besonders wertgebend. Für die Hohltaube gab es den ersten Brutverdacht im Kalkofen, für die Schwanzmeise den ersten Brutnachweis. Es wurden 31 Arten von Tagfaltern und drei Arten von Widderchen dokumentiert, unter denen sich neunzehn besonders wertgebende befanden (Rote Liste Deutschlands oder Hessens oder besonders oder streng geschützt). Im Vergleich zu früheren faunistischen Untersuchungen im Kalkofen neu nachgewiesen wurden das Beilfleck-Widderchen, der Kleine Schillerfalter, der Mehrbrütige Würfel-Dickkopffalter, der Pflaumen-Zipfelfalter, der Segelfalter und der Wandergelbling (alle besonders wertgebend). Die Falter hielten sich weit überwiegend auf den beweideten Flächen und der Mähwiese auf. Es wurden zwölf Arten von Großlibellen und sechs Arten von Kleinlibellen angetroffen, darunter sieben besonders wertgebende (Rote Liste Deutschlands oder Hessens). Im Vergleich zu früheren faunistischen Untersuchungen im Kalkofen neu nachgewiesen wurden die Blauflügel-Prachtlibelle, der Kleine Blaupfeil, der Spitzenfleck, die Südliche Mosaikjungfer und die Südliche Binsenjungfer (alle besonders wertgebend). Durch das vollständige Austrocknen des großen Teichs Ende Juni dürften unzählige Libellen- und Amphibienlarven verendet sein. Eier ablegende Libellen wurden 2022 viel seltener beobachtet als 2021. Im Hinblick auf Wasservögel, Libellen und Amphibien ist es dringend nötig, dass Entwässerungssystem aus der Zeit des aktiven Steinbruchs an die neue Funktion des Kalkofens als Biotop anzupassen. Die Ausweitung der Beweidung ist im Hinblick auf Offenland-Vögel und Schmetterlinge ausdrücklich zu loben. Es sollte jedoch auf jeder Fläche ein Teil stehenbleiben, damit Entwicklungsstadien von Schmetterlingen überwintern können. Die bereits 2021 angeregte Schaffung von Offenböden für die vom Aussterben bedrohten Arten Steinschmätzer und Flussregenpfeifer sollte unbedingt durchgeführt werden. Diese Arten können praktisch nur noch an Sonderstandorten wie Steinbrüchen überleben und dienen als Leitarten für alle Organismen, die Offenböden brauchen.
Weirich O & Reufenheuser J 2022: Zur Bedeutung des Floßhafens Mainz-Kostheim für den Rastbestand der Krickente Anas crecca im Biotopverbund der angrenzenden Vogelschutzgebiete und seiner Gefährdung durch die Bebauung des Linde-Quartiers
In: Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V. Arbeitskreis Wiesbaden / Rheingau-Taunus-Kreis (Hrsg.) Jahresbericht 2020/2021: 28-39.
Zusammenfassung
Nach Daten der Internationalen Wasservogelzählung und von ornitho.de ist der Floßhafen Mainz-Kostheim einer der drei wichtigsten Rastplätze der in Hessen als Brutvogel vom Aussterben bedrohten Krickente am über 50 km langen Rheinabschnitt der EU-Vogelschutzgebiete „Mainmündung und Ginsheimer Altrhein“, „Inselrhein“ und „Rheinaue Bingen – Ingelheim“. Der Median der gezählten jährlichen Maxima des Rastbestands der Krickente im Gesamtgebiet beträgt nur 92 Individuen. Durch ein großzügiges Auffüllen von Datenlücken werden 115 Individuen erreicht. Durch die Bebauung des unmittelbar angrenzenden Linde-Quartiers mit etwa 800 Wohnungen ist dieser Rastplatz massiv gefährdet. Wenn er bewahrt werden soll, müsste am Linde-Quartier ein Sichtschutz und eine Barriere für Menschen und Hunde durchgehend erhalten bleiben. Vorhaben, die mehr Menschen an die Uferböschung des Floßhafens auf der Seite der Maaraue bringen, müssten unterlassen oder die Böschung geschützt werden.
Weirich O 2022: Faunistische Untersuchung des Kalkofens 2021 - Vergleich mit älteren Daten und Empfehlungen zur Förderung der Fauna
In: Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V. Arbeitskreis Wiesbaden / Rheingau-Taunus-Kreis (Hrsg.) Jahresbericht 2020/2021: 44-74.
Zusammenfassung
Im ehemaligen Steinbruch „Kalkofen“ in Wiesbaden wurden 2021 an 33 Begehungstagen die Artenvorkommen von Vögeln, Schmetterlingen, Libellen, Reptilien, großen und mittelgroßen Säugetieren und in sehr geringem Umfang auch Fischen untersucht und mit früheren Daten verglichen. Frühere Daten zu Amphibien wurden zusätzlich zusammengefasst. Bemerkenswerte Ergebnisse sind die Erstnachweise von Bruten des Uhus und des Pirols und Erstnachweise der Südlichen Heidelibelle, der Westlichen Weidenjungfer, der Schlingnatter, des Waschbären und des Moderlieschens im Kalkofen. Erfreulich sind regelmäßige Bruten von Zwergtaucher, Rohrweihe und Wasserralle und regelmäßige Sichtungen seltenerer Rastvögel in den letzten Jahren. Bedauerlich sind das Verschwinden der früher regelmäßigen Brutvögel Steinschmätzer, Blaukehlchen und Schwarzkehlchen sowie der früher gelegentlichen Brutvögel Flussregenpfeifer und Neuntöter. Verwunderlich ist die seltene Feststellung von Eidechsen. Aus vogelkundlicher Sicht sollte die Wiederherstellung von Offenböden für die vom Aussterben bedrohten Arten Flussregenpfeifer und insbesondere Steinschmätzer unter den Pflegemaßnahmen im Kalkofen höchste Priorität haben. Weitere Ziele sollten die Erhaltung der Teiche und ein Zurückdrängen von Gehölzen in Teilen des Kalkofens sein. Eidechsen könnte möglicherweise durch Steinschüttungen und Totholzhaufen geholfen werden. Zur Verbesserung der Beobachtungsbedingungen könnten entsprechende Anlagen errichtet werden.
Weirich O 2021: Schicksale von 39 Wiesbadener Nilgans-Familien in den Jahren 2019 und 2020.
Ergänzendes online-Material zu Weirich et al 2021: Phänologie, Reproduktion, Verhalten und Flächennutzung der Nilgans Alopochen aegyptiaca in städtischen Parkanlagen in Wiesbaden und Vorschläge zum Management.
Vogelwarte 59(4)
Zusammenfassung
Während eines zweijährigen wöchentlichen Nilgans-Monitorings in sechs Parkanlagen von Wiesbaden zwischen 2019 und 2020 wurden die Schicksale von 39 Nilgans-Familien dokumentiert. Diese Arbeit wurde von der Zeitschrift Vogelwarte als ergänzendes online-Material zu Weirich et al. 2021: Phänologie, Reproduktion, Verhalten und Flächennutzung der Nilgans Alopochen aegyptiaca in städtischen Parkanlagen in Wiesbaden und Vorschläge zum Management. Vogelwarte 59, 2021: 337–356, bereitgestellt. Sie bietet spannende und überraschende Einblicke in das Leben städtischer Nilgänse.
Weirich O, Heuser W, Homma S & Geiter O 2021:
Phänologie, Reproduktion, Verhalten und Flächennutzung der Nilgans Alopochen aegyptiaca in städtischen Parkanlagen in Wiesbaden und Vorschläge zum Management
Vogelwarte 59(4):337-356
Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit dokumentiert Phänologie, Reproduktion, Verhalten und Flächennutzung des Nilgans-Bestandes in Parkanlagen von Wiesbaden 2019 und 2020. Sie dient darüber hinaus der Einschätzung seiner Auswirkungen auf einheimische Wasservögel. Die Thematik steht im Kontext der Einstufung der Nilgans als invasive Art von EU-weiter Bedeutung und ihrer raschen Ausbreitung in Europa. In sechs Parkanlagen in Wiesbaden zählte der Erstautor 2019 und 2020 von März bis Dezember wöchentlich alle Nilgänse und die Jungvögel aller Wasservogel-Familien. Die Elternvögel von Nilgänsen und Stockenten wurden dabei durch Fotos der Schnabelpigmentierung identifiziert. Die Anzahl der Nilgänse stieg in beiden Jahren zum Hochsommer hin bis auf etwa 200 an, was nur zu einem Drittel am Nachwuchs lag und zu zwei Dritteln am Zuzug von Nilgänsen aus der weiteren Umgebung. Ein erheblicher Teil der Nilgänse suchte dieses Gebiet zum Mausern auf. Anschließend sanken die Zahlen bis zum Dezember auf etwa 50 ab. Wiederfundorte in Wiesbaden beringter Nilgänse lagen teilweise über 100 km entfernt, was auf ein weites Einzugsgebiet der zum Mauserplatz ziehenden Nilgänse hindeutet. Weitere Untersuchungen wären hier nötig. Die durchschnittliche Anzahl von Nilgänsen pro Zähltag war 2020 um 8 % geringer als 2019. Das Territorialverhalten Junge führender Paare war ein bedeutender Faktor für die Verteilung der Nilgänse auf die Teilflächen. Von 222 Gösseln überlebten 109, wobei die Verluste fast ausschließlich die erste Lebenswoche betrafen. Die wenigen geeigneten Aufzuchtreviere waren der begrenzende Faktor der Reproduktion. Ein Drittel aller Todesfälle bei Jungvögeln war auf Revierauseinandersetzungen zurückzuführen. Aufgrund der Territorialität und der Dominanz weniger Paare brachten in beiden Jahren insgesamt nur 21 Paare Junge durch. Ein Paar brütete fünf Mal. Zwei Paare mit drei erfolgreichen Bruten und drei Paare mit zwei erfolgreichen Bruten waren für 46 % des überlebenden Nachwuchses verantwortlich. Auch wenn bis in den Dezember und schon im Februar Jungvögel schlüpften, traten 72 % der Jungvögel im Frühling auf. Friedliches Verhalten selbst Junge führender Nilgänse gegenüber anderen Wasservögeln und ihren Jungen war alltäglich. In 210 Stunden Feldarbeit des Erstautors konnte unter bis zu 205 Nilgänsen und ähnlich vielen Stockenten nur eine Berührung einer Stockente durch eine Nilgans beobachtet werden. Nach Beobachtungen anderer wurden aber in beiden Jahren im Untersuchungsgebiet zwei und im weiteren Stadtgebiet zwei weitere Situationen bekannt, in denen Stockenten-Küken angegriffen wurden. Mindestens in einem Fall wurden sie dabei auch getötet. Da Nilgänse in Wiesbaden in den 90er Jahren regelmäßig Stockenten vertrieben und ihre Küken töteten, könnte dies auf einen Anpassungsprozess hindeuten. Eine Stichprobe bekräftigte den Eindruck, dass im Hochsommer mehr Nilgänse als Stockenten anwesend waren. Da die Anzahl der Stockenten viel konstanter blieb, überwogen diese ab Herbst jedoch wieder deutlich. In beiden Jahren zusammen kamen die Nilgänse auf 109 flügge Jungvögel und pflanzten sich damit stärker fort als die Stockenten. Diese brachten nur 81 Jungvögel bis zur Flugreife durch. Zählungen über weitere Jahre wären notwendig, um zu ermitteln, ob dies regelmäßig der Fall ist. Durch Veränderungen an der Vegetation der Teiche könnte der Nachwuchs der Nilgänse verringert und das Überleben von Stockenten-Küken gefördert werden.
Weirich O 2021: Auswirkungen der Fütterung von Wasservögeln – eine Argumentationshilfe für Natur- und Tierschutzverbände, Behörden und interessierte Vogelfreunde Teil 2: Auswirkungen von Futter- und Nahrungsmitteln auf die Gesundheit der Wasservögel
Vogelwarte 59(2):129–143
Zusammenfassung
Der zweite Teil eines umfassenden Überblicks über die Auswirkungen der Wasservogel-Fütterung behandelt die Folgen für die Gesundheit der Wasservögel. Weit überwiegend werden Brot und ähnliche Backwaren verfüttert. Die Auswirkungen auf die Gesundheit wilder Wasservögel sind kaum erforscht. Erkenntnisse aus der Geflügelhaltung zeigen jedoch, dass Schäden möglich bzw. wahrscheinlich sind: Eine überwiegende Ernährung von Brot und Getreide führt zu einem Mangel an essenziellen Aminosäuren, Vitaminen, Mineralstoffen und Rohfaser, ein übermäßiger Verzehr von Roggenbrot oder -körnern wegen des hohen Gehalts an löslichen Nicht-Stärke-Polysacchariden zu antinutritiven Effekten und zu einer Schädigung der Mikrobiota und Darmentzündungen. Der Salzgehalt von Brot ist so hoch, dass er im Alleinfutter für Hühnerküken zu erheblichen Verlusten führen würde. Süßes kann Verdauungsstörungen verursachen, wobei für Küken bereits in manchen Broten und Brötchen zu viel Zucker enthalten ist. Verschimmelte Nahrung kann sehr schädlich sein. Weitere mögliche Schäden sind durch Experimente mit kontrolliert gefütterten wilden Wasservögeln (v.a. Stockenten) belegt: Stockenten-Küken, die sich überwiegend von pflanzlicher Nahrung wie Brot und Getreide ernähren, geraten aufgrund eines Mangels an tierischem Eiweiß in Lebensgefahr, weil sie und ihr Gefieder dann kaum wachsen und sie leicht auskühlen. Einseitige Ernährung mit rohfaserarmem Futter führt schnell zu Verkleinerungen der Verdauungsorgane und einer beschleunigten Darmpassage der Nahrung, sodass Anpassungen an die Verdauung natürlicher Nahrung verloren gehen und Probleme bei Lebensraumwechseln drohen. Jungvögel sind anfällig für Schäden durch Salz, da sie es im Gegensatz zu adulten Entenvögeln nur sehr eingeschränkt ausscheiden können. Inwieweit Wasservögel in freier Wildbahn eine Fehlernährung durch die zusätzliche Aufnahme natürlicher Nahrung ausgleichen, ist nicht bekannt. Beobachtungen von Ornithologen und Tierärzten legen nahe, dass es durch den Rohfasermangel im Brot bei massiver Fütterung zu erheblichen Verdauungsstörungen kommt. Weiterhin besteht aufgrund von Beobachtungen an Futterplätzen wilder Wasservögel der Verdacht, dass die Fütterung mit Brot und Getreide bei jungen Gänsen, Halbgänsen und Schwänen ein zu schnelles Wachstum der Handschwingen verursacht und so Kippflügel begünstigt. Weil eine Fütterung von Wasservögeln unnötig ist und wegen der vielen möglichen nachteiligen Folgen sollte nur selten und mit sehr geringen Mengen artgerechter Nahrung an geeigneten Plätzen gefüttert werden. Eine Fütterung von Jungvögeln muss vollständig unterlassen werden.
Weirich O 2020: Auswirkungen der Fütterung von Wasservögeln – eine Argumentationshilfe für Natur- und Tierschutzverbände, Behörden und interessierte Vogelfreunde Teil 1: Ökologie und Verhalten, Ausbreitung von Krankheitserregern und Bedeutung für die Menschen
Vogelwarte 58(4):457-466
Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit stellt den ersten von zwei Teilen eines umfassenden Überblicks über die Auswirkungen der Wasservogel-Fütterung dar. Die Fütterung ist für die Wasservögel überflüssig, aber bei den Menschen beliebt. Sie fördert Verschmutzungen durch Vogelansammlungen, eine Eutrophierung kleiner stehender Gewässer, eine Belastung der Wasserqualität an Badestellen und eine Vermehrung von Ratten, welche als Prädatoren von Gelegen und Jungvögeln auftreten. Gefütterte Vögel suchen die Nähe von Menschen und können dadurch in gefährliche Situationen geraten. Möglich, aber in ihrem Ausmaß unklar, ist eine Begünstigung des Auftretens von bakteriellen Infektionen unter den Vögeln an Fütterungsplätzen. Eine Übertragung von Krankheitserregern im Kot auf Menschen kann nicht ausgeschlossen werden, erscheint bei Gänsen auf Liegewiesen aber unwahrscheinlich. Möglich, aber nicht direkt beweisbar ist eine Begünstigung von Botulismus-Ausbrüchen unter den Vögeln. Die Fütterung führt zu Verhaltensänderungen der Vögel und es ist anzunehmen, dass ihre natürliche Selektion gestört wird. Aufgrund der fehlenden Notwendigkeit der Fütterung für die Wasservögel und der vielen möglichen nachteiligen Folgen sollte nur selten und mit sehr geringen Mengen artgerechter Nahrung und nur an geeigneten Plätzen gefüttert werden.
Weirich O, Heuser W, Krüger M, Langkabel H & Rochwani C 2020: Monitoring der Nilgans Alopochen aegyptiaca in Wiesbaden 2019. Untersuchungsbericht im Auftrag des Magistrats der Stadt Wiesbaden.
DOI:10.13140/RG.2.2.29930.75209
Zusammenfassung
In sechs Parkanlagen in Wiesbaden wurden von März bis Dezember 2019 wöchentlich die Nilgänse und die Jungvögel aller Wasservogel-Familien gezählt. Die Elternvögel von Nilgänsen und Stockenten wurden dabei durch Fotos der Schnabelpigmentierung identifiziert. Die Nilganszahlen stiegen im Monatsdurchschnitt vom März (91 Nilgänse) bis Juli (191) stetig an, da der Teich am Warmen Damm als Mausergewässer für Nilgänse aus der weiteren Umgebung diente. Anschließend sanken die Zahlen bis zum Dezember (53) ebenso stetig wieder ab. Ältere Daten zeigen, dass der bedeutendste Mauserplatz in früheren Jahren der Golfplatz an den Kiesgruben südöstlich von Wiesbaden gewesen ist. Hier wurden die Nilgänse zwischen 2013 und 2017 durch Bejagung zur Mauserzeit vergrämt. Am Warmen Damm stieg der Mauserbestand bis 2016 stark an und hält sich seitdem auf hohem Niveau. Nur zehn Nilgans-Paare pflanzten sich 2019 erfolgreich im Untersuchungsgebiet fort. Zwei davon zogen gleich zweimal erfolgreich Junge auf. Die Verfügbarkeit der heftig umkämpften Aufzuchtreviere war offensichtlich der begrenzende Faktor der Nilgans-Reproduktion. Von 101 Gösseln überlebten 50 die erste Woche, von diesen 50 wurden wahrscheinlich 46 flügge. Gegenüber den Küken der einheimischen Arten Stockente, Teich- und Blässhuhn verhielten sich die Nilgänse im Untersuchungsgebiet stets neutral. Regelmäßig hielten sich Küken aller drei Arten und deren Eltern völlig entspannt in unmittelbarer Nähe der Nilgänse auf. Aggressive Aktionen gegenüber adulten Stockenten (einmal auch Teichhuhn) wurden sehr selten beobachtet und hatten nie Verletzungen zur Folge. Alle drei einheimischen Arten pflanzten sich in Gegenwart der Nilgänse erfolgreich fort. Für das Blässhuhn war es der erste Brutnachweis im Untersuchungsgebiet. Die Auswertung älterer Daten zeigte, dass sich Nilgänse zu Beginn der Besiedlung Wiesbadens bis in die frühen 2000er Jahre deutlich aggressiver gegenüber Stockenten verhielten, was auf einen Anpassungsprozess schließen lässt. Es werden Umgestaltungen der Teiche am Warmen Damm, im Kurpark und am Dietenmühlenweiher vorgeschlagen, damit die Nilgänse zukünftig ein anderes Mausergewässer wählen und die Zahl der Aufzuchtreviere auf eines pro Teich reduziert wird. Das festgestellte Ausmaß und die unsachgemäße Ausführung ordnungswidriger Fütterungen verursachen mit hoher Wahrscheinlichkeit Schäden an den wilden Wasservögeln und ihren Lebensräumen und locken Nilgänse an. 90 Dokumentierte Gespräche mit Fütterern wurden ausgewertet und Möglichkeiten der Einflussnahme werden diskutiert. Es werden Empfehlungen zur Verbesserung des Erscheinungsbilds der Parkanlagen und zur Vermeidung von Tierschutz-Konflikten im Zusammenhang mit Nilgänsen und dem Grünflächenmanagement gegeben. Die verwendeten Methoden des Nilgans-Monitorings 2019 werden evaluiert und Anpassungen für zukünftige Untersuchungen vorgeschlagen.